Krisen – der Umgang mit schwierigen Lebenssituationen (Teil 1)

In einem früheren Beitrag habe ich bereits erwähnt, dass mentales Training nicht verhindert, einen Schicksalsschlag zu erleben. Es hilft jedoch dabei, Wege zu finden, um besser mit schwierigen Situationen umzugehen.
Eine Krise oder – wie oben genannt – ein Schicksalsschlag ist nicht vorhersehbar. Dennoch begleiten Verluste eines geliebten Menschen, die Diagnose einer eigenen Krankheit oder der eines nahestehenden Menschen, Jobverlust, Betrug oder herzzerreißende Konflikte unser Leben.
Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, sich auf solche Situationen vorzubereiten – und hilfreiche Ansätze, wie man andere Menschen in ihren Krisen unterstützen kann.
Wenn ein geliebter Mensch leidet, möchten wir helfen. Manchmal geht dieser Wunsch so weit, dass wir das fremde Leid am liebsten selbst übernehmen würden. Leider ist das nur ein Wunschgedanke – und vermutlich auch nicht die beste Lösung.
Beim Schreiben dieses Blogbeitrags wurde mir bewusst, wie viel ich zu diesem Thema sagen möchte. Deshalb habe ich mich entschieden, zwei Beiträge daraus zu machen. In diesem Beitrag geht es darum, wie du andere Menschen unterstützen kannst. In einem weiteren Beitrag werde ich darauf eingehen, was du selbst tun kannst, um dich auf schwierige Lebenssituationen vorzubereiten.
Bevor ich erläutere, was in solchen Situationen hilft, möchte ich einige Denkanstöße geben, was man besser vermeiden sollte.
Situation nicht bagatellisieren
Wenn dir jemand seine Sorgen anvertraut, nimm sie ernst. Auch wenn die Situation für dich vielleicht keine große Herausforderung wäre, gibt es einen tieferen Grund, warum dein Gegenüber aus dem Gleichgewicht gerät. Sätze wie: „Ich finde gar nicht, dass du zu viel Alkohol trinkst – andere trinken viel mehr“, „Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu“ oder „Ja, das ist schlimm, aber überleg mal, was ich alles für Sorgen habe“ sind in Krisensituationen fehl am Platz. Möchtest du wirklich helfen? Dann lass solche Aussagen weg.
Was dein Gegenüber stattdessen braucht, ist Verständnis. Einer meiner Lieblingssätze, den ich auch tief in mir fühle, ist: „Es tut mir leid, dass du durch so eine schwierige Lebensphase gehen musst.“ Dieser Satz signalisiert: „Ich sehe, dass es gerade schwer für dich ist.“ Gleichzeitig hilft er dir, deine eigenen Gefühle auszudrücken – denn das Leid deines Gegenübers berührt auch dich. Und das ist ein wichtiger Punkt: Vergiss nicht, auf dich selbst zu achten. Wenn du jemandem helfen möchtest, musst auch du gut für dich sorgen, damit ihr diese schwierige Phase gemeinsam bewältigen könnt.
Probleme nicht verstärken
Die Diagnose einer unheilbaren oder schwerwiegenden Krankheit ist ein harter Einschnitt. Es braucht Zeit, die Situation anzunehmen und wieder Hoffnung oder Glück zu empfinden. Wenn eine Diagnose dazu führt, dass jemand seinen Job nicht mehr ausüben kann, verzichte darauf zu betonen, was nun alles wegfällt – etwa den Kontakt zu Kollegen oder gemeinsame Aktivitäten. Hilf stattdessen dabei, Lösungen zu finden, wie Beziehungen und wichtige Kontakte aufrechterhalten werden können.
Greife die betroffene Person bitte niemals an – auch dann nicht, wenn du glaubst, sie trage eine Mitschuld an ihrem Leid. Viele Krankheiten stehen mit dem Lebensstil in Zusammenhang. Aussagen wie „Du trinkst ja auch jeden Tag Cola!“, „Wenn du keinen Sport machst, musst du dich nicht wundern“ oder „Das habe ich dir ja immer gesagt!“ helfen nicht. Im Gegenteil: Sie verschlechtern die Situation und belasten zusätzlich.
Eine hilfreiche Alternative könnte sein: „Möchtest du in deinem Leben etwas verändern, wobei ich dich unterstützen kann?“ Bedenke jedoch, dass Schicksalsschläge zunächst verarbeitet werden müssen. Biete deine Unterstützung an, sobald der erste Schock abgeklungen ist.
Unterstützung bei psychischen Erkrankungen
Persönlich empfinde ich es als besonders herausfordernd, jemanden mit einer psychischen Erkrankung zu unterstützen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, denn Betroffene verstehen sich oft selbst nicht und können schwer benennen, was ihnen helfen würde. Professionelle Unterstützung ist in vielen Fällen notwendig.
Als Begleitperson kannst du dich bemühen, die Erkrankung besser zu verstehen, und deinem Gegenüber signalisieren, dass du offen bist zu lernen. Zeige Verständnis, auch wenn du nicht alles nachvollziehen kannst.
Versuche bitte nicht, depressive Menschen mit Witzen aufzuheitern, verhaltensauffällige Kinder vorschnell zu bestrafen oder deinen Partner scharf zu kritisieren. Wir sprechen hier nicht von Charakterschwächen, sondern von ernstzunehmenden Erkrankungen, die sich nicht durch gut gemeinte Gesten oder einfache Lösungen heilen lassen.
Hey du! Ich finde es großartig, dass du bis hierhin gelesen hast und dich dafür interessierst, andere Menschen in schwierigen Situationen unterstützen zu können. Wenn du dich zu diesem Thema mit mir austauschen möchtest, schreib mir gern. Im nächsten Beitrag geht es darum, wie du dich selbst besser auf schwierige Lebenssituationen vorbereiten kannst.
Pass auf dich auf und genieße die schönen Stunden des Lebens!
Mit Liebe und Dankbarkeit
Deine Corinna

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